Deutsches Netzwerk gegen vernachlässigte Tropenkrankheiten beim Weltgesundheitsgipfel in Genf

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WHO Director-General, Dr Margaret Chan/Foto: WHO

Berlin/Genf. 19.4.2017 – Beim Weltgesundheitsgipfel gegen vernachlässigte Tropenkrankheiten bekräftigten Margret Chan, Generaldirektorin der Weltgesundheitsorganisation, der frühere UN-Generalsekretär Kofi Annan und Bill Gates die Umsetzung der in der so genannten Agenda 2030 vereinbarten UN-Nachhaltigkeitsziele zu vernachlässigten Tropenkrankheiten.

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„Die Vorgaben der Agenda 2030, vernachlässigte Tropenkrankheiten zu bekämpfen, ist eine gewaltige Herausforderung und verlangt einen Paradigmenwechsel hin zu umfassenden und inklusiven NTD-Programmen“, sagte Prof. Dr. KH Martin Kollmann Mitglied im Vorstand des Deutschen Netzwerks gegen vernachlässigte Tropenkrankheiten (DNTDs) und NTD-Fachberater der Christoffel-Blindenmission (CBM) mit Dienstsitz in Nairobi (Kenia).

Harald Zimmer, stellvertretender Sprecher des DNTDs betonte bei seinem Statement vor den Experten des Gesundheitsgipfels, dass Deutschland die Gesundheitssystemstärkung in den Mittelpunkt seiner gesundheitsbezogenen‎ Entwicklungszusammenarbeit stelle. Es liege aber auf der Hand, dass nicht alle Gesundheitsleistungen sofort gleichzeitig überall zur Verfügung gestellt werden können. „Eine Prioritätensetzung ist notwendig. Die Kosteneffizienz und die Armenorientierung der Bekämpfung der vernachlässigten Tropenkrankheiten sind die Gründe dafür, dass deren Unterstützung im Rahmen der Gesundheitssystemstärkung eine hohe Priorität gegeben werden sollte. Die Ausbildung von Gesundheitshelfern im Rahmen von NTD-Programmen hat außerdem selber einen systemstärkenden Effekt.

Weitere Statements  von Prof. Dr. Martin Kollmann, NTD-Fachberater der Christoffel-Blindenmission (CBM) mit Dienstsitz in Nairobi, Kenia:

  • Zu wenig Engagement der deutschen Bundesregierung bei der Bekämpfung vernachlässigter Tropenkrankheiten (NTDs)

„Nach Ansicht des Deutschen Netzwerkes gegen vernachlässigte Tropenkrankheiten (DNTDs) tut die Bundesregierung nach wie vor viel zu wenig, um NTDs wirksam zu bekämpfen. Es passt nicht zusammen, dass unter deutscher G7-Präsidentschaft 2015 mehr Aufmerksamkeit auf das Thema gelenkt wurde, bei der Umsetzung der G7-Beschlüsse aber weiterhin erhebliche Defizite bestehen. Im Bereich Forschung sowie bei der Entwicklung neuer Wirkstoffe und Medikamente hat es zuletzt zwar einige Fortschritte gegeben, zum Beispiel hinsichtlich der Förderung sogenannter Produktentwicklungspartnerschaften. Doch diese reichen bei weitem nicht aus. Vor allem aber bei ihren Bemühungen zur Stärkung von Gesundheitssystemen lässt die Bundesregierung NTD-Bekämpfung und ihr großes Potenzial für die Basis-Gesundheitsversorgung besonders Benachteiligter weitgehend außer Acht.

Hier in Genf ist bislang von deutscher Seite dazu kaum etwas zu hören und das obwohl Deutschland in seiner laufenden G20-Präsidentschaft die Förderung Globaler Gesundheit erneut in den Vordergrund rückt. Beim Thema NTD-Bekämpfung bezieht die Bundesregierung keine klare Position. Sie betont ganzheitliche zu Lasten krankheitsspezifischer Ansätze. Das greift zu kurz, denn so bleiben gerade die Ärmsten der Armen von einer für sie zentralen Basisversorgung ausgeschlossen. Die Bundesregierung übersieht, dass es gerade Maßnahmen zu sektorübergreifender NTD-Bekämpfung sind, die einen wichtigen und dauerhaften Beitrag zur Verbesserung der allgemeinen Gesundheitsversorgung für besonders Benachteiligte leisten, wie die langjährigen Erfahrungen der Christoffel-Blindenmission (CBM) etwa in Äthiopien, der Demokratischen Republik Kongo, dem Südsudan oder auch in Nigeria zeigen.“